Die Geschichte des Briefkastens / Teil2

Briefkasten mit Posthorn

Briefkasten mit Posthorn (Robert Schneider@ fotolia.de)

Teil 2 – Vom 17. Jahrhundert bis heute

1794 brachten die Franzosen die Postkästen nach Deutschland. Zunächst nur ins Rheinland, da nach der Besetzung, im übrigen Preußen, den französischen Einflüssen misstraut wurde. Nach einigen Jahren, in denen die Vorteile der Briefkästen erkannt wurden, sprach sich König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1824 durch einen königlichen Erlass für die Einführung von Briefkästen in ganz Preußen aus. Diese gab es in zwei Größen, sie waren aus weiß gestrichenem Holz und konnten von unten geöffnet werden. Die Kästen wurden an Posthäusern und in großen Städten an anderen öffentlichen Stellen angebracht. In kleineren Ortschaften konnten mit einer Genehmigung Postkästen im Flur des Postamtes angebracht werden, zur „Bequemlichkeit der Beamten“. Die Kosten mussten allerdings von den Beamten übernommen werden, die von dieser Bequemlichkeit profitieren würden. Auf der Vorderseite dieser Kästen waren „Verhaltungs-Regeln“ angebracht, die besagten, welche Art von Briefen nicht eingeworfen werden durften, sondern in der Poststelle abzugeben waren. Das waren zum Beispiel: Briefe an den König oder andere Mitglieder des Königshauses, Briefe, die in fremde Länder geschickt werden sollten oder Briefe die frankiert werden mussten.

Nach dem Erfolg in Preußen entschlossen sich 1930 auch die Post von Württemberg und das Königreich Bayern zur Einführung der Briefkästen. Zu Anfang gab es aus Sicherheitsgründen nur Innenbriefkästen in Postgebäuden, in die man nur durch Einwurfschlitze in der Mauer seine Nachrichten einwerfen konnte, doch ab 1845 wurden auch Außenbriefkästen installiert. Am 1. November 1949 wurde in Bayern dann der „Schwarze Einser“, die erste Briefmarke Deutschlands eingeführt, die Preußen zogen 1850 nach. Bald gab es ca. 4809 Briefkästen in Preußen, von denen einige zehnmal am Tag geleert wurden.

Auch die Gestaltung der Postkästen veränderte sich. Bis 1850 wurden sie aus Holz gefertigt, danach wurden gusseiserne Kästen mit Bronzeüberzug verwendet. Anfänglich wurden die Briefe einzeln entnommen, bevor der Reihe nach Einsatzbeutel oder – kästen verwendet wurden. 1874 wurde zur Leerung die Fallklappe eingeführt, aus der die Briefe in einen darunter gehaltenen Behälter fielen. Die Briefkästen in dieser Zeit waren einheitlich blau, nur Bayern und Württemberg duften durch ihre Posthoheit andersfarbige Kästen aufstellen. Ab 1930 gab es acht Einheitsmodelle, die alle ausschließlich aus Stahlblech bestanden. Langsam ließen sich auch Bestrebungen erkennen, eine Vereinheitlichung der Briefkästen in Deutschland zu schaffen. In den Jahren um 1934 war die Farbe der Postkästen einheitlich rot, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schließlich gelb. Erst 1956 wurde eine Versuchsserie von 50 Briefkästen aus Kunststoff hergestellt, die 1960 die Serienreife erreichte. Diese Kästen bestanden aus postgelb eingefärbtem glasfaserverstärktem Polyersterharz und waren verklebt, vernietet oder verschraubt.

Heute zählt die Deutsche Post ca. 108.000 Briefkästen. Die Qualitätsanforderungen für diese sehen vor, dass die Kunden i.d.R. nicht mehr als einen Kilometer zum nächsten Briefkasten zurücklegen müssen. Darüber hinaus müssen die Kästen an jedem Werktag, die mit einem roten Punkt gekennzeichneten, auch sonntags, geleert werden.

Mittlerweile beginnt etwa jeder 5. Brief seine Reise in einem Briefkasten, kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass einmal alles mit einem einfachen Stein begonnen hat.

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